
Wenn im Herbst Erntekronen gebunden, Körbe mit Feldfrüchten geschmückt und Lebensmittel gesegnet werden, feiern wir in Österreich Erntedank. Doch ist dieses Fest eine typisch österreichische Tradition und wie wird in anderen Ländern für die Ernte gedankt?
Über Jahrtausende hinweg hing das Leben der Menschen unmittelbar von einer erfolgreichen Ernte ab. Regen zur richtigen Zeit, fruchtbare Böden und gesunde Tiere entschieden darüber, ob eine Gemeinschaft ausreichend Nahrung für den Winter hatte.
Auch wenn heute viele Lebensmittel das ganze Jahr über erhältlich sind, lebt dieser Gedanke weiter: Eine gute Ernte ist nicht selbstverständlich.
Erntedank in Österreich und Europa
In Österreich wird Erntedank meist im September oder Oktober gefeiert. Einen einheitlichen Termin gibt es nicht. Viele Pfarren und Gemeinden richten sich nach dem Abschluss der regionalen Ernte.
Typisch sind kunstvoll gebundene Erntekronen sowie Körbe mit Getreide, Obst, Gemüse, Brot und anderen bäuerlichen Produkten. Diese werden bei einem Gottesdienst gesegnet. In zahlreichen Orten gehören auch Prozessionen, Musik, Trachten und gemeinsame Feste dazu.
Ähnliche Traditionen gibt es in Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern. In Großbritannien wird das „Harvest Festival“ häufig mit Gottesdiensten, Liedern und Lebensmittelspenden verbunden.
Thanksgiving in den USA und Kanada
Das international bekannteste Erntedankfest ist vermutlich Thanksgiving. In den USA wird es am vierten Donnerstag im November gefeiert. Familien kommen zusammen und genießen ein großes gemeinsames Essen. Auf vielen Tischen stehen Truthahn, Kartoffeln, Mais, Cranberrysauce und Kürbiskuchen.
Die häufig erzählte Geschichte vom ersten Thanksgiving im Jahr 1621 ist allerdings stark vereinfacht. Damals trafen englische Siedler und Angehörige der Wampanoag nach einer erfolgreichen Ernte zusammen. Für viele indigene Menschen ist Thanksgiving deshalb nicht nur ein Fest der Dankbarkeit, sondern auch ein Anlass, an Kolonialisierung, Vertreibung und deren Folgen zu erinnern.
Auch Kanada feiert Thanksgiving, allerdings bereits am zweiten Montag im Oktober. Aufgrund des kühleren Klimas endet die Erntezeit dort früher.
Chuseok in Korea
Chuseok gehört zu den wichtigsten Feiertagen Südkoreas. Das mehrtägige Fest richtet sich nach dem Mondkalender und findet gewöhnlich im September oder Oktober statt.
Viele Menschen reisen in ihre Heimatorte, besuchen Familienangehörige und gedenken ihrer Vorfahren. Als Dank für die Ernte werden Speisen aus frisch geernteten Zutaten zubereitet.
Besonders typisch sind Songpyeon. Das sind halbmondförmige Reiskuchen, die mit Sesam, Bohnen oder Kastanien gefüllt und traditionell auf Kiefernnadeln gedämpft werden. Musik, Tänze, Ringen und verschiedene Volksspiele gehören ebenfalls zu Chuseok.
Pongal in Südindien
Während wir Erntedank im Herbst feiern, findet Pongal im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu im Jänner statt. Das mehrtägige Fest markiert die Reisernte und den Beginn eines neuen landwirtschaftlichen Abschnitts.
Im Zentrum steht ein Gericht, das ebenfalls Pongal heißt. Frisch geernteter Reis wird mit Milch und Zuckerrohrzucker gekocht. Traditionell lässt man die Mischung über den Rand des Topfes steigen. Das Überkochen symbolisiert Wohlstand und Überfluss.
Gedankt wird der Sonne, der Natur und den Rindern, die in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Kühe und Ochsen werden gewaschen, geschmückt und besonders geehrt. Häuser und Höfe werden gereinigt und mit kunstvollen Bodenmustern verziert.
Erntefeste in Afrika
Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es eine große Vielfalt regionaler Erntefeste.
Bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Nigeria und anderen Teilen Westafrikas wird das New Yam Festival gefeiert. Die Yamswurzel ist dort ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Bevor die neue Ernte gegessen wird, werden die ersten Knollen feierlich präsentiert und teilweise den Ahnen oder Gottheiten dargebracht.
Danach beginnt ein großes gemeinsames Fest mit Musik, Tanz, farbenfroher Kleidung und zahlreichen Gerichten aus Yams.
In Ghana feiern die Ga das Homowo Festival. Es erinnert an eine Zeit großer Hungersnot und an deren Überwindung durch eine erfolgreiche Ernte. Der Name wird häufig sinngemäß mit „den Hunger verhöhnen“ übersetzt. Das Fest steht deshalb nicht nur für Dankbarkeit, sondern auch für Widerstandskraft, Hoffnung und gemeinschaftlichen Zusammenhalt.
Mais und Mutter Erde in Mittelamerika
In vielen indigenen Kulturen Mittelamerikas steht Mais im Mittelpunkt des landwirtschaftlichen und spirituellen Lebens.
Ein Beispiel ist die Nan Pa’ch Zeremonie in Guatemala. Dabei werden besonders geformte Maiskolben geschmückt und in einer feierlichen Zeremonie verehrt. Gebete, traditionelle Speisen und das Wissen älterer Generationen spielen eine wichtige Rolle.
Der Mais wird nicht nur als Lebensmittel betrachtet. Er ist Teil der kulturellen Identität und verbindet die Menschen mit ihren Vorfahren, ihrem Land und der Natur.
Unterschiedliche Bräuche, derselbe Gedanke
Ob Erntekrone, Truthahn, Reiskuchen, Mondkuchen, Yamswurzel oder überkochender Reis: Die Speisen und Rituale unterscheiden sich stark. Im Mittelpunkt stehen jedoch fast immer dieselben Werte:
Dankbarkeit für die Lebensmittel, Respekt vor der Natur, Wertschätzung für die Arbeit in der Landwirtschaft und das gemeinsame Teilen.
Gerade heute erinnert uns Erntedank daran, wieder genauer hinzusehen. Woher kommen unsere Lebensmittel? Wie wurden sie erzeugt? Und wie viel Arbeit, Zeit und Wissen stecken in einem Produkt?
Für uns am Biohof Krautgartner ist Erntedank deshalb mehr als ein Fest im Kalender. Es ist eine Gelegenheit, bewusst Danke zu sagen. Für gesunde Tiere, fruchtbare Böden, eine gute Ernte und für alle Menschen, die regionale und biologische Landwirtschaft wertschätzen.
Eine besondere Rolle spielt die Pute traditionell zu Thanksgiving und bei vielen Familien auch beim Erntedankfest oder zu Weihnachten. Passend zu diesen Festen können unsere Bio Glücksputen im Ganzen bestellt werden. So wird das gemeinsame Festessen zu einer bewussten Entscheidung für biologische Landwirtschaft und nachvollziehbare Herkunft.
Zum Abschluss noch eine kleine Quizfrage: Wisst ihr, was der Unterschied zwischen einer Pute und einem Truthahn ist?
Wenn du den Unterschied noch nicht kennst oder mehr dazu erfahren willst, haben wir zu dem Thema einen eigenen Blogartikel hier.
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